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unser Verein in der MAZ vom 4.11.2016

Blasmusiker beim Zempern

 Nachdruck aus der maz-online vom 3.11.2016 bzw. leicht gekürzt, der Printausgabe vom 4.11.2016

mit freundlicher Genehmigung der MAZ und des Herrn Steglich:

Wie ein Verein ein Dorf umkrempelt

Er ist erst zwei Jahre alt, der Dorfverein Buchholz/Zauche, doch er hat die 410-Seelen-Gemeinde, die bislang vor allem für gute Blasmusik und einen schiefen Kirchturm bekannt war, schon ordentlich umgewirbelt: Von der Findung eines Wappens bis zur Pflege alten Handwerks über die Organisation vieler Feste ist dort viel passiert.

 

Buchholz. Manchmal schlummern ungeahnte Kräfte unter der Oberfläche. Das gilt auch für Dörfer, in denen es dann nur eines kleinen Anstoßes bedarf, um wieder richtig Leben ins Dorf zu bringen. Das kleine Buchholz, das einen schiefen Kirchturm hat und bekannte Blasmusikanten, hat vor zwei Jahren so einen Anstoß bekommen – durch den Dorfverein Buchholz/Zauche, von dem hier die Rede sein soll. Er ist gerade mal zwei Jahre alt geworden und hat schon etwa 50 Mitglieder – in einem 410-Seelen-Dorf. „Daran sieht man, dass es viele engagierte Leute mit Ideen gab. Was fehlte, war ein Verein, der alles bündelt, koordiniert und managt“, sagt Lutz Pahl vom Vereinsvorstand. Die Lücke wurde an einem Vormittag des 29. Mai 2014 geschlossen. Es war der Männertag, der damals zur Geburtsstunde des Vereins wurde, dessen Mitstreiter in den zweieinhalb Jahren ungeahnten Schwung ins Buchholzer Dorfleben gebracht haben. Die Liste dessen, was inzwischen in Regie des Vereins läuft, ist zu lang, um alles aufzuzählen. Deshalb an der Stelle eine Auswahl. Unter Regie des Verein entsteht zum Beispiel eine neue Chronik für den Ort. Eine Arbeitsgruppe arbeitet daran, die Ortsgeschichte gerade der jüngeren Vergangenheit aufzuarbeiten und Lücken zu schließen. Einmal im Monat trifft sich das Chronik-Team, um am Buchholzer Geschichtsbuch zu arbeiten, das bis 2020 fertig werden soll.

„Ein Ziel ist auch, ein eigenes Ortswappen zu kreieren“, sagt Vereinsmitglied Bernd Güldner, der auch Ortsvorsteher in Buchholz ist. „Es soll ein Wappen sein, das hohen Wiederkennungswert hat“, so Vorstandsmitglied Torsten Boecke. „Wir sind da aber noch in der Findungsphase.“ Ansätze gäbe es genug. Buchholz hat als prägende Elemente zum Beispiel den besagten schiefen Kirchturm, die Ziegelarchitektur und die Musik. Im Beelitzer Ortsteil sind die Buchholzer Blasmusikanten zuhause – das in der Region bekannte Blasorchester ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Für das traditionelle Buchholzer Blasmusikfest steht ein Jubiläum an. 2017 wird zum 50. Mal dazu eingeladen. „Wir haben uns auch die Pflege alter Handwerkstechniken auf die Fahnen geschrieben“, berichtet Pahl. Zum Beispiel die Tradition der Korbflechterei. „Es gibt nur wenige, die das noch machen.“ Der Verein hat über 20 Weiden eine Patenschaft übernommen, die bei Frankenfelde (Teltow-Fläming) stehen. Von den unter Naturschutz stehenden Kopfweiden kommen die Ruten für die Korbflechterei, „das Know-how zur Pflege der Tradition haben uns die Tremsdorfer gegeben“, sagt Pahl. Beim Ortsverein Tremsdorf haben die Buchholzer zwei Schnupperkurse in Korbflechterei gemacht. Aktiv sind die Mitstreiter im Dorfverein auch bei der Revitalisierung des alten Bolzplatzes dabei. Im April oder Mai 2017 ist die Eröffnung des auf Vordermann gebrachten Sportplatzes geplant, der bislang eher einem Acker glich und für dessen Erneuerung der Verein Spenden sammelte und die Stadt Beelitz den Löwenanteil finanziert. Den Plan, den Sportplatz zu erneuern, gibt es schon seit 25 Jahren, sagt Bernd Güldner. Mit Hilfe des Vereins wurde das Vorhaben nun auf den Weg gebracht. Der Verein organisiert inzwischen auch ein halbes Dutzend Feste oder ist unterstützend daran beteiligt. Zum Beispiel das Erntedankfest mit dem Tanz unter der Erntekrone, das Kinder- und das Tränkenfest und das Lichterfest am 3. Advent mit einem kleinen Weihnachtsmarkt. Der Verein hat auch umweltpolitische Ambitionen, will sich dafür einsetzen, dass zwei Brachflächen in Blütenwiesen verwandelt werden, um zum Beispiel den Bienen neuen Lebensraum zu bieten. Ein Nahziel, für das sich der Verein außerdem stark macht, ist der Bau eines Dorfgemeinschaftshauses, das Räume unter anderem für die Buchholzer Blasmusikanten, für private Feiern und für den Dorfverein selbst bieten soll. Auf dem Platz vor dem Gemeinschaftshaus soll ein Lehmbackofen entstehen, „den wir selbst bauen wollen“, sagt Vereinsmitglied Torsten Boecke. Wenn das Dorfgemeinschaftshaus fertig ist, will Lutz Pahl dort ein Büchercafé ins Leben rufen. „Man trifft sich einmal im Monat, nimmt sich einen Roman vor und liest einen Teil davon“, sagt er. „Danach geht man nach Hause und liest das Buch komplett, um sich einen Monat später wieder zu treffen und sich über den Roman auszutauschen“, so die Idee. Lutz Pahl hat auch schon im Kopf, mit welchem Buch begonnen wird – mit Juli Zeh’s Roman „Unter Leuten“.

 

Von Jens Steglich

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