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Zur Geschichte der Landwirtschaft

Zur Geschichte der Landwirtschaft

Aufgeschrieben 2016 von Annette Heese und Birgit Müller
Herr Heinz Schumann, geb. 1934
Herr Werner Rosin, geb. 1925 erzählen:
In den 50iger Jahren schlossen sich in Buchholz die ersten großen Bauernwirtschaften zur LPG Typ III mit dem Namen “ Freie Scholle“ zusammen.
Dies geschah nicht ganz freiwillig, aber in einem sozialistischem Staat sollte verhindert werden, dass sich die großen privaten Betriebe weiter entwickelten. So mussten die Bauern hohe Abgaben in Form von Naturalien leisten, die kaum zu bewältigen waren. Herr Rosin wurde geworben, als Brigadier zu arbeiten. Obwohl seine Frau dagegen war, wollte er aus Angst vor Schikanen nicht ablehnen.
Er studierte dann in Potsdam noch drei Jahre Landwirtschaft. Hier waren fast alle Parteigenossen. Als er aber einmal eine Arbeit über die Partei schreiben sollte, hat er eine eins bekommen.

1960 kam dann der „Sozialistische Frühling“ auch nach Buchholz. Nun sollten sich auch die kleineren Betriebe zur LPG Typ I zusammenschließen. Hier bewirtschaftete die Bauern ihren Felder gemeinsam, während sie ihr Vieh noch individuell versorgten.
Werbekolonnen zogen durch das Dorf und versuchten, die Leute zum Eintritt in die LPG zu überreden. „Werdet Mitglied, ihr wollt doch einmal Rente bekommen“ , so versuchte man die Leute zu werben.
Es gab viele böse Worte, Zank, Streit und Ängste.
Als bei einer Gründungsversammlung ein Name für die LPG Typ I vorgeschlagen werden sollte, und Vorschläge wie „Der verratzte Bauer“ (Anmerkung von Annette Heese) kamen, wurden die Betreffenden gleich verhaftet und eingesperrt.
Die LPG Typ I wurde dann trotz alledem im Jahre 1960 gegründet und erhielt den schönen Namen “ Goldene Abendsonne“.
Nach großen anfänglichen Schwierigkeiten, gewöhnten sich dann doch alle an die gemeinsame Bearbeitung der Felder und im Nachhinein sagten dann alle:“ Es war eine schöne Zeit“. So wurde bei Geburtstagen und sonstigen Anlässen Kuchen mitgebracht und die Pausen in gemütlicher Runde verlebt . Auch der Frauentag wurde immer ausgiebig gefeiert.

Im Jahre 1971 war es dann auch mit der individuellen Viehhaltung und der Typ I vorbei. Inzwischen sind große Ställe gebaut worden, in denen das Vieh gemeinsam versorgt wurde.
Der gesamte Feldbau wurde dann über die „Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion“ (KAP) organisiert. Deren Hauptsitz war in Beelitz.
Herr Rosin war dort von Anfang an als „Technischer Leiter “ und später als „Leiter allgemeine Verwaltung“ tätig, bis er 1990 in Rente ging.
Herr Schumann war bis 1971 im Feldbau tätig und ging dann bis 1991 in den Kuhstall.
Mit der Wende hatte sich vieles verändert, Herr Schumann ging in den Vorruhestand.
Er erzählte uns: „Nach zwanzig Jahren Weihnachten im Kuhstall konnte ich das erste Mal zu Hause feiern. Das war ungewohnt“.

1895 wurde das Haus Nr. 29, indem Herr Schumann heute noch lebt, erbaut.
Zum Kriegsende, im Mai 1945, kamen noch neun Leute als „Umsiedler“ zu Familie Schumann ins Haus, so dass sie insgesamt mit 14 Leuten dort lebten.
Aus Berlin kam eine Frau mit zwei Töchtern. Für Herrn Schumann und seine Schwester waren es nette Spielkameraden. Und auch die Mutter hatte Zeit mit den Kindern zu spielen. Eine neue Erfahrung, die die Schumannkinder von ihren Eltern nicht kannten, da diese mit der Arbeit auf ihrem Hof voll ausgelastet waren.
1946 kam Familie Gotthardt ins Haus. Frau Gotthardt fand in Beelitz Heilstätten bei der Roten Armee Arbeit. Um dort hin zu gelangen, lernte sie mit 40 Jahren noch Fahrrad fahren.
Nach dem Krieg gab es oft schwachen Strom, von Mai bis Juli garkeinen. Da das Getreide trotzdem gedroschen werden musste, fing man oft schon in der Nacht damit an.

Buchholz, März 2016

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